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Meine Stadtwerke

Chronik

150 Jahre Gasversorgung in Klagenfurt

Im folgenden machen wir einen kleinen Ausflug in die Vergangenheit und verfolgen den Werdegang der Gas­versorgung in Klagenfurt bis in die Gegenwart.

Die trockene Destillation - aus Kohle durch Erhitzen unter Luftabschluß ein brennbares Gas zu gewinnen — war schon lange bekannt, als 1792 der Engländer Murdock sein Haus in Rodruth in Cornwall mit Gas beleuchtete. Nicht lange danach griffen Weltstädte diese Idee auf und ließen ihre Straßen und Plätze „gasifizieren". Maßgeblich daran beteiligt war ein Österreicher: Dr. Zachäus Andreas Winzler. 1812 waren Londons nebelige Gassen gasbeleuchtet, 1815 folgte Paris, 1825 Hannover, 1826 Berlin, 1828 Dresden, 1833 Wien, 1856 Linz, 1857 Salzburg. Klagenfurt mit seinen 14.000-15.000 Einwohnern wollte nicht zurückstehen und schloß im Jahre 1860 mit dem Augs­burger Fabrikanten L. A. Riedinger einen Vertrag zur Errich­tung einer Gasfabrik in Klagenfurt. Die Grundsteinlegung erfolgte 1861. Bereits 1854 war eine Holzgasbeleuchtungsanlage geplant gewesen, doch die zwangsweise Zeichnung einer Rüstungsanleihe für den Krimkrieg verhinderte die Realisie­rung aus finanziellen Gründen.

Bis zum ersten Aufflackern der Gasflammen auf den Straßen und Plätzen von Klagenfurt hatten 455 Öllaternen späten Heimkehrern den Weg nach Hause erhellt. Ab 1862 taten dies 190 Gaslaternen, die von einer Kohlenentgasungsanlage auf dem Areal des heutigen Hallenbades aus gespeist wurden. Jeden Abend in der Dämmerstunde versammelten sich vor dem Rathaus am Alten Platz die „Glühwürmchen". Das waren die Laternenanzünder, die auf einer langen Stan­ge in einer Kapsel ein Licht trugen, um die Gaslaternen der öffentlichen Beleuchtung anzuzünden. Bei festlichen Anläs­sen waren rings um den Neuen Platz Kandelaber mit einem Kranz von je 6 weißen Glaskugeln zur Beleuchtung ange­bracht, die dem Platz ein fast großstädtisches Aussehen ver­liehen.

Das erste mit Gas beleuchtete Gebäude war die Realschule, dem sich in rascher Folge viele weitere Gebäude anschlös­sen. Bereits 1864 veräußerte Riedinger das Gaswerk mit allen Rechten und Verbindlichkeiten an den ebenfalls in Augsburg ansässigen Fidelius Butsch, Das Gaswerk wurde zügig aus­gebaut, im Laufe der Jahre wurden alle Klagenfurter Vorstäd­te angeschlossen. In den folgenden Jahren stieg der Verbrauch ständig: 1879: 250.000 m3,1886: 302.000 m3.

Die Erfindung des Gasglühstrumpfes durch Carl Auer von Welsbach 1885 verhalf dem Gas zum endgültigen Durch­bruch. 1886 wurde die Gasgesellschaft AG mit Sitz in Augsburg gegründet, die später auch das Villacher Gaswerk übernahm.

Eine arge Konkurrenz erwuchs dem Gaswerk im elektri­schen Strom, den es bekanntermaßen ab Februar 1902 in Klagenfurt gab. Wurden 1902 noch 609.000 m3 Gas verkauft, so waren es danach nur noch 402.000 m3. In diese Zeit fielen auch mehrere Versuche, das Gaswerk an die Gemeinde zu verkaufen, die ihr geringes Interesse durch nicht akzeptable Vertragsbedingungen verdeutlichte.

Nachdem sich der elektrische Strom als wesentlich sicherer und komfortabler für Beleuchtungszwecke erwiesen hatte, erfreute sich das Gas für Heiz- und Kochzwecke steigender Beliebtheit. Auch Ballons wurden mit dem Klagenfurter Leuchtgas gefüllt: 1909 stiegen die Erzherzöge Peter und Josef Ferdinand zu einer zünftigen Ballonfahrt auf, 1914 tat dies General Janicek mit seinem Ballon „Steiermark". Jawohl!

Das Gaswerk anno 1862

Die Jahre des Ersten Weltkrieges waren schwierig. Nur über Genehmigung des Kriegsministeriums war Kohle zu bekommen. Zeitweilig wurde Holz vergast. Dabei war gerade in dieser Zeit die Versorgung mit Gas wichtig: Klagenfurt war Lazarettstadt, und mehrere Spitäler waren an das Gasnetz angeschlossen. Fast den Todesstoß versetzte dem Gaswerk aber die galoppierende Inflation der Jahre nach Kriegsende. Die Erlöse reichten nicht mehr zum Ankauf der notwendigen Kohle aus, so dass die Gaserzeugung vorübergehend eingestellt werden musste. Erst mit einer Anpassung des Gaspreises an die Währungsverhältnisse (von 3.600 auf 10.000 Kronen) und Vorauszahlungen der Gaskunden (3 Monate im voraus) gelang es, den Betrieb im nötigen Umfang zu stabilisieren. Doch blieb kein Geld für unbedingt nötige Investitionen übrig. Dies und eine etwas unglücklich agierende Geschäftsführung führten schließlich 1926 zum Ausgleich und 1927 zum Konkurs. Die Gesellschaft wurde liquidiert und das Gaswerk Klagenfurt in der Folge nach umfangreichen Investitionen von der Brandenburgischen Elektrizitäts-, Gas- und Wasserwerke AG, Berlin, übernommen. Von der bisherigen Erzeugung von Leuchtgas in Retorten war man auf zwei wesentlich effektvollere Generatoröfen übergegangen.



Die  neuen  Eigentümer forcierten den  Gasverkauf unter anderem durch gezielte Werbeaktionen. So wurden Monatskalender mit Kochrezepten, der Jahreszeit angepasst, sowie mit markigen Werbesprüchen aufgelegt: Heize mit Gas - rasch und bequem! im Jänner Krapfen backen - nur mit Gas! im Feber, Der saftige Braten - nur mit Gas! im März, Kochen ein Vergnügen - nur mit Gas! im April,Zur Hochzeit-der Gasherd! im Wonnemonat, Bügle nur mit Gas! im Juni, Bade nur mit Gas! im Juli, Obst einsieden - nur mit Gas! im August, Fleisch am Rost-nur mit Gas! im September, Waschen ein Vergnügen -auf Gas! im Oktober, Knusprige Bäckerei-auf Gas! im November, und schließlich die Weihnachtsbäckerei - auf Gas! Im Dezember. Wozu Gas sonst noch dienen könnte, sei der Phantasie des geneigten Lesers überlassen. In diese Zeit fällt auch der Beginn der Durchführung von kostenlosen Kochberatungen und -kursen, die sich reger Beteiligung erfreuten. Der Ausbau des Gasnetzes ging rapide voran, und mit der Erweiterung des Netzes entwickelte sich der Verbrauch kontinuierlich.
Die Jahre des zweiten Weltkrieges brachten keine wesentlichen Erschwerungen. In den letzten Tagen dieses Krieges-Ende Feber 1945 - wurde das Gaswerk allerdings durch Bombentreffer schwerst beschädigt und eine weitere Gasproduktion und -lieferung war nicht mehr möglich. Nach Kriegsende ging das zerstörte Werk als ehemaliges deutsches Eigentum in den Besitz der Stadt über. 1949 übernahmen die Stadtwerke Klagenfurt den Trümmerhaufen in „öffentliche Verwaltung". 1950 wurde beschlossen, das Gaswerk als Betrieb der Stadtwerke wieder zu beleben. Unverzüglich wurde mit Hilfe von ERP-Mitteln mit der Wiederherstellung der Anlagen und des Rohrnetzes begonnen.

Am 16.9.1952 lieferte das neue Werk erstmals wieder Gas ins Netz.

Durch den steigenden Bedarf und vor allem zur Abdeckung von Verbrauchsspitzen war der Bau eines zweiten Vertikalkammerofens und die Installierung einer Flüssiggas-Luft-Mischanlage (1956) notwendig geworden. Am 13.6.1958 ging das Gaswerk durch Kauf endgültig in das Eigentum der Stadtwerke über. Das äußere Erscheinungsbild des Gaswerkes wurde noch typischer, als 1961 ein 3.000 m3 Gas fassender Gasometer errichtet wurde. Trotz der permanent steigenden Gasabnahme stiegen die jährlichen Verluste, bedingt durch teilweise Überalterung und ständig zunehmende Kosten beim Kohleeinkauf, an. Es war nicht möglich, mit den alten Anlagen zu einer wirtschaftlich vertretbaren Lösung zu gelangen, so dass der Beschluß gefaßt wurde, auf einem Grundstück in der Nähe eines Großabnehmers im Industriegelände ein neues Gaswerk zu bauen.

Am 24. 9. 1966 war es soweit, das neue Gaswerk nahm die Versorgung auf. Aber nicht als Steinkohlenentgasungsanlage, die das giftige, im Heizwert niedrigere Stadtgas liefert, sondern als moderne Flüssiggas-Luft-Mischanlage. Die Vorteile dieser Anlage waren unbestritten: flexibel in der Produktion, können Verbrauchsspitzen abgefangen werden, der Heizwert ist regulierbar. Die Gasgeräte bei den Abnehmern mussten vor Inbetriebnahme des neuen Gaswerkes auf das neue Gas umgestellt werden. In der Folge wurde das alte Gaswerk demontiert. Ein Gasometer fand in der Kläranlage neue Verwendung. Schlußstrich und absoluter Höhepunkt der Demontage war die Sprengung des 56 m hohen Schlotes am 13.3.1968 um 10 Uhr vormit¬ag, zu der sich eine gewaltige Menge Schaulustiger eingefunden hatte.

Auf dem Areal, wo über 100 Jahre das Gaswerk gestanden hatte, entstand in den folgenden Jahren das Hallenbad Klagenfurt. Ein weiterer Schritt zur Verbesserung der Gasversorgung war das von 1979 bis 1984 durchgeführte Rohrnetzsanierungsprogramm, mit dem Klagenfurt nun über eines der sichersten Gasnetze Europas verfügt. Ein Meilenstein für die Zukunft der Gasversorgung der Landeshauptstadt wurde mit der Unterzeichnung eines Erdgaslieferungsvertrages mit der KELAG gesetzt. Mit der Verlegung der Rohrleitung von der Übernahmestelle der TAG bis zum Gaswerk sowie dem Bau zweier Druckregelstationen wurde im Jänner 1986 begonnen. Bereits im August waren die Arbeiten abgeschlossen, und am 25. August 1986 um 4 Uhr früh wurde das erste Mal mit Erdgas in das Netz gefahren.

Da nun das Gas nicht mehr erzeugt und zwischengespeichert werden musste, waren nun ausreichend Kapazitäten vorhanden, so dass das Gasnetz weiter ausgebaut und damit auch der Gasabsatz in den folgenden Jahren kontinuierlich gesteigert werden konnte. Waren es im Jahre 1986 noch ca. 62 Mio kWh die an Kunden abgegeben wurden, so konnte die Abgabe innerhalb von 10 Jahren fast verdoppelt werden.
Im Jahre 2000 erfolgte dann die Umgründung in eine Aktiengesellschaft. 2002 wurde, entsprechend des Gaswirtschaftsgesetzes, der Gasmarkt liberalisiert und im Jahre 2005 wurden die Energiesparten in eine GesmbH ausgegliedert und es erfolgte eine völlige Neuausrichtung des Unternehmens zu einem modernen Dienstleister.

Mit zusätzlichen Erdgas-Heizungen kann die Umweltbelastung massiv zurückgeschraubt werden. Laut Studien erreichen Ölheizungen bei Feinstaub-Emissionen fünfmal größere Werte, Holzheizungen produzieren sogar hundert Mal mehr Feinstaub als Erdgas-Heizungen. Schließlich sorgt künftig ein umfangreiches Erdgas-Leitungsnetz dafür,  dass der fossile Energie-Schatz uns ständig erreicht und unsere wirtschaftliche, aber auch private Zukunft sichert.